Gottesdienste, die in synodaler Perspektive gefeiert werden, können zum sichtbarsten Ausdruck einer synodal gestalteten Kirche werden. Das Schlussdokument fordert eine Priorität für Beziehungen, und diese werden hier gestärkt.
Bildquelle: Pfarre Gersthof St. Leopold – LINK
Beiträge von vielen

Konkret: Im Bild giessen Menschen aus verschiedenen Kannen Wasser in eine Schale, welche überfliesst und die Wiese darunter tränkt. So können Menschen aus unterschiedlichsten Altersgruppen, aus kirchlichen Bewegungen, Migranten und mehr sich mit ihrer Glaubenssprache in die Liturgie einbringen. Mit den verschiedensten Beiträgen, die im Idealfall gegenseitig geschätzt werden, wird die Eucharistiefeier in ihren liturgischen Normen reich gefüllt. Gesättigt von den eucharistischen Gaben (vgl. Lumen gentium 10), können die Gläubigen ihre Sendung in ihr Umfeld gestärkt leben.
Bild von Martin Bergers
Eine ergänzende Perspektive

Eine ergänzende Perspektive ist wichtig: Die liturgischen Bücher nehmen im Schwerpunkt die Perspektive der Vorsteher ein mit ihrem leitenden Handeln und den Beiträgen der Gemeinde. Diese ist sehr wichtig, denn die Gestaltung der Messe ist gewachsen in der Treue zu Christus und mit dem Erfahrungsschatz der Kirchengeschichte.
Eine Perspektive „aus der Kirchenbank“ schaut aus der Perspektive der Gläubigen mit den menschlichen Begegnungen. Diese Perspektive ist sehr menschennah. Andere Themen werden wichtig: Die Wirkungen der Messe auf die Menschen, ihre Befindlichkeit, ihre Autonomie, ihre Begegnungen, ihr Glaubenszeugnis Beide Perspektiven sind getragen in ihrer gemeinsamen Ausrichtung auf Gott.
Die Grundgedanken zu diesem Ansatz mit der Liturgie als Begegnung entstanden Ende der 90er Jahre nach Fragen von Eltern in der Erstkommunionkatechese. Schon 1995 entwickelte der Bonner Liturgiewissenschaftler Prof. Albert Gerhards auf wissenschaftlicher Ebene ebenfalls einen Ansatz von der Liturgie als Begegnung. Im Oktober 2023 haben wir dann gemeinsam einen Vortrag gehalten.
Bildquelle: Erich Dachselt auf Pixabay
Das liturgische Subjekt

In der Liturgiewissenschaft spricht man vom „liturgischem Subjekt“. Dabei ist Christus selbst das primäre liturgische Subjekt, denn er ist der eigentlich einladende. Die Gottesdienstgemeinde bildet das sekundäre liturgische Subjekt in ihrer engen Anbindung an Christus. Diese Anbindung an Christus von uns Menschen wird im Johannesevangelium wunderschön beschrieben: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15, 5) Der Priester, in der Eucharistiefeier der Vorsteher und Stellvertreter Christi, ist das tertiäre liturgische Subjekt.
Für eine Anwendung der oben beschriebenen synodalen Liturgie auf Gottesdienste in anderen Konfessionen ist die Verbindung der Gottesdienstgemeinde zu Christus wichtig, vom sekundären zum primären liturgischen Subjekt. So ist es meines Erachtens einen Versuch wert, eine synodale Gestaltung von Liturgie auch in anderen Konfessionen zu versuchen – wenn sie dort nicht schon längst realisiert wird!
Bildquelle: Th G auf Pixabay
PASTORALE ERFAHRUNGEN
In der Franziskanerkirche in Fribourg feierten wir jeden Sonntagabend den „Katholischen Stadtgottesdienst der Universitätsgemeinschaft“. Von 2017 bis zur Pandemie 2020 gestaltete eine Liturgiegruppe monatlich einen besonders gestalteten Gottesdienst. Die Gruppe leiteten Prof. Joachim Negel und ich gemeinsam.
PUBLIKATIONEN
Vortrag „Liturgie synodal gestalten“ am 28.01.2025, in der Reihe: Ignatianisch leben, veranstaltet von der Gemeinschaft Christlichen Lebens in Deutschland – LINK
Sechs Artikel für die Zeitschrift Gottesdienst von 2019 – 2022
LINK zu allen Artikeln
Liturgie synodal gestalten – Ergebnisse aus dem Schweizer synodalen Prozess und Wünsche für eine synodale Gestaltung der Liturgie – Gottesdienst 18 / 2022 – LINK
Auf halbem Wege stehen geblieben – Gottesdienst 20 / 2020 – LINK
Gottesdienste in der Pandemie für alle gestalten – Gottesdienst 14-15 / 2020 – LINK
Begegnung und „Sprache“ – Gottesdienst 6-7 / 2020 – LINK
Partizipation in der Liturgie – Gottesdienst 3 / 2020 – LINK
„Die Messe ist für die alten Leute gemacht!“ – Gottesdienst 21 / 2019 – LINK